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Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Südtirol (Taufers)

Tag 1: Oberstdorf - Vorarlberg

Am 11. Januar 2015, 8.30 ging es bei strömenden Regen in der Bergschule in Oberstdorf los mit dem obligatorischen Gepäckwiegen. Die meisten von uns, wir waren zu siebt, hatten ein wenig zu viel eingepackt, so wurden wir von unserem Bergführer Franz konsequent zum Entladen angehalten. Als wir in Baad, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung im Kleinwalsertal angekommen waren, kam schon nur noch schönster Schnee vom Himmel.

Unsere erste Übernachtung hatten wir im Arlberg. Wir erreichten das schöne "Hotel Körbersee" nach einem erbitterten Marsch durch Kälte, starken Schneefall und eisigen Wind.
Durch das Bärgundtal ging es zum Hochalppass (1.938 m), von dort zum Hochtannbergpass (1.676 m) und weiter über den Falkensattel schließlich zum Hotel auf 1.656 Metern.

Tag 2: Vorarlberg - Montafon

Nach einem guten Abendessen und einer sehr ruhigen Nacht ging es früh morgens weiter. In den ersten Stunden konnten wir Detonationen zur Sprengung von gefährlichen Schneebrettern hören.

Nachdem wir Lech erreicht hatten, fuhren wir mit dem Linienbus und dem Taxi zur Talstation der Sonnenkopfbahn. Anders als im Programm ursprünglich vorgesehen konnten wir jedoch nicht im Panoramagasthof Kristberg übernachten und mussten somit mit der Kristbergbahn ins Tal fahren. Da die letzte Bergfahrt nach unserem Kenntnisstand bereits um 16.15 Uhr stattfinden sollte, wurde uns von Franz ein ungemein zügiger Lauf abverlangt.
Der Gipfel des Muttjöchles konnte nur mit Hilfe des Teleobjektives festgehalten werden.

Die Stimmung war dank des Wetters, der Gruppe und unseres sehr erfahrenen und umsichtigen Bergführers Franz erste Sahne. Wir erreichten das Montafon und übernachteten im Hotel "Zur Taube".

Tag 3: Montafon - Galtür

Nach einer beschaulichen Busfahrt nach Partennen erreichten wir unseren Ausgangspunkt zur diestägigen Wanderung. Wir stiegen durch wunderschöne Wälder in Richtung Bieler Höhe (2.036 m) und den Stauseen auf. Von hier ging es auf einer wunderschön gespurten Loipe talabwärts nach Galtür auf 1.582 Meter. Und wirklich plötzlich, wie aus dem nichts, stellte Franz fest, dass wir hier und jetzt - bei schönster Sonne - unseren LVS Kurs machen sollten. Trocken fügte er hinzu, dass dies ein ausgenommen sonniges Plätzen sei, und wir danach sehr lange im Schatten der Berge sein würden. Er sollte Recht behalten...

Wir liefen bis nach Galtür und übernachteten in der wunderbaren Pension "Haus Winkel". Wie immer gabe es auch an diesem Abend ein wirklich schmackhaftes Abendessen im Hotel "Galtürer Hof".

Tag 4: Galtür - Heidelberger Hütte

Nach einem reichhaltigen Frühstück bestiegen wir den Skibus nach Ischgl. Da wohl alle Menschen, die in diesem Skigebiet Urlaub machten, mit uns im Bus saßen, wurde die Fahrt mehr als eng und unangenehm. Durch unsere martialischen Schneeschuhe strahlten wir immerhin eine Art von Autorität aus, hatten so etwas mehr Platz für uns und bekamen auch den ein oder anderen anerkennenden Kommentar zu hören..
"Der heutige Tag war ein ausgesprochener Schneeschuhwandertag", wie Franz sagte: "Die Körner braucht Ihr morgen." Und so wanderten wir vergnügt auf gutgespurten Loipe zur Heidelberger Hütte (2.264m), der einzigen Hüttenübernachtung, die wir hatten. Nach kurzer Lagerbeziehung und Stärkung wollten wir noch ein wenig den Anfang der morgigen Tour erkunden. Die Schneesituation und der starke Wind machten diese Vorbereitung notwendig. Und siehe da, bei eisigem Wind und starkem Schneefall durften die Sektionskameraden Köln unter größter Überwindung Ihr LVS Training absolvieren.
Der weitere Verlauf des Abends war dank des ausgeprägten Humors unseres Hüttenwirts sehr kurzweilig

Tag 5: Heidelberger Hütte - Val S-charl (Engadin)

Insgesamt war das Wetter - abgesehen vom Wind vielleicht - während der gesamten Tour ein Traum, die Lawinensituation jedoch gar nicht. Wir hatten jeden Tag Warnstufe 3. Tagtäglich wurden wir indirekt durch unseren morgentlichen LVS Check auf das ständig drohende Risko der Verschüttung hingewiesen.
Auf 2807 Metern überschritten wir den Fuorcla Davo Dieu.

Der Abstieg gestalte sich als kristisch. Franz nahm seinen Kompass heraus und maß die Steilheit des vor uns liegenden Abschitts an verschiedenen Stellen. Da seiner Messung nach der Hang an keiner Stelle die kritischen 30° überschritt, gingen wir einzeln hinunter.
Dabei nutzten wir auch die topographischen Besonderheiten aus und versuchten uns hinter Felsen zu schützen. In gefahrloser Ebene durften wir erfahren, was es bedeutet wenn Schneefelder unter einem kollabieren: Es ist ohrenbetäubend laut und man spürt, dass unter sich der Schnee einige cm nachgibt. Nicht immer sind diese Abgänge so harmlos..

Als krönender Abschluss und Zubringer zu unseren letzten Übenachtung stand uns noch eine mehr als 2 stündige Kutschenfahrt ins verschneite Dorf S-charl an.

Trotz Wärmflaschen wird es in solchen Kutschen bitterkalt. Sehr gerne haben daher einige von uns das Angebot des Hoteliers Dominique vom "Hotel Mayor" angenommen, sich einen Bademantel für Sauna und Badefass geben zu lassen.
Diese Übernachtung war für mich mehr als nur ein schönes Erlebnis; beindruckend und skuril zugleich. Das Dorf ist inmitten des schweizer Nationalparks gelegen und im Winter nur zu Fuss oder über den Kutschentransfer zu erreichen.

Hinter uns wurde der Weg wieder verschlossen

Das Dorf besteht lediglich aus 30-40 Häusern, einer Kirche und einem wunderbaren Dorfmittelpunkt, in dem auch im tiefsten winter der Brunnen läuft.
Allerdings wohnen im Winter lediglich eine Nonne und unser Hotelier mit Familie und deren Aushilfen, die sich wöchentlich abwechseln, im Dorf. Somit ist Val S-charl Tiefenentspannung pur! Insbesondere die Saunagänge und der Badefassgenuss vor atemraubender Kulisse werden mir im Gedächtnis bleiben.
Doch nicht nur das, auch das Essen Im Hotel Mayor ist sehr empfehlenswert!

Danke an Dominique

Tag 6: Engadin - Taufers (Südtirol)

Unser letzter Tag lag vor uns. Gut gefrühstückt machten wir uns auf zu unserer letzten Etappe. Die Temperatur war etwas gestiegen und es fing wieder an zu schneien. Der Wind war nicht so störend wie an den Tagen zuvor, doch vielleicht lag dieser Eindruck auch daran jetzt das Ziel schon fast vor Augen zu haben.
Wir passierten die Grenze zwischen der Schweiz und Italien und waren somit innerhalb von 7 Tagen in vier europäischen Alpenländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien) mit Schneeschuhen unterwegs gewesen.
Der Abstieg nach Taufers war trotz des Neuschnees nur noch Routine für uns, die man sich innerhalb der letzten Tage gut zusammen gewandert hatte.

Gerne denke ich an diese spannende Zeit mit Euch zurück: Ulrike, Wolfgang, Anton und Elfriede, Anette und Udo.
Ohne Deine umsichtige Führung hätten wir uns nicht sicher gefühlt lieber Franz Kröll. Dein Können hat mir wieder gezeigt das ich noch viel häufiger Touren gehen muss, um weiters Wissen zu sammeln.

Liebe Bergschule OASE, immer wieder gerne mit Euch! Danke fürs organisieren und die Großzügikeit die Tour so laufen zu lassen wie Ihr sie vorgesehen habt.

Hier geht's zur Tour!

...Ihr wisst ja vom 8. August 2015 begrüße ich Euch als Hüttenwirt auf der Rauhekopfhütte.

Berg Heil
Jochen